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18. Dezember 2025
Am 11. Dezember 2025 sind wir, die Fachstufe II des Ausbildungsgangs Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen, zusammen mit der Fachstufe II des Ausbildungsgangs Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r in die Abteilung Groß-Hesepe in Geeste von der Justizvollzugsanstalt Lingen gefahren. Gemeinsam mit unseren Klassenlehrern trafen wir uns um 10:30 Uhr vor dem Eingang der Abteilung Groß-Hesepe. Nachdem wir alle unsere Smartphones abgegeben hatten und durch die Sicherheitskontrolle gegangen waren, wurden wir direkt von zwei Justizvollzugsbeamtinnen herzlich empfangen, die mit uns die Führung durch die Anstalt durchführten.

Nachdem wir mehrere Sicherheitsschleusen passiert hatten, versammelten wir uns in einem Gemeinschaftsraum und erhielten dort zunächst einige allgemeine Informationen über die Anstalt in Geeste. Die Abteilung Groß-Hesepe ist eine Anstalt des geschlossenen Vollzugs und ausschließlich für männliche Inhaftierte zuständig. Sie gehört zur Justizvollzugsanstalt Lingen und ist in insgesamt vier Vollzugshäuser aufgeteilt, die 275 Hafträume beinhalten, in denen die Inhaftierten in Einzel- und Gemeinschaftsräumen untergebracht werden.
Anschließend wurden wir über die verschiedenen Abteilungen der Anstalt informiert, unter anderem über die Arbeit auf der Krankenstation und die Suchtberatung. Zudem bekamen wir einen Einblick in den Alltag eines Inhaftierten, zum Beispiel, um wie viel Uhr der Tag mit der Lebendkontrolle beginnt, zu welchen Uhrzeiten es Mahlzeiten gibt und wann die Inhaftierten ihre Freistunden verbringen. Es ist ihnen außerdem möglich, private Dinge zuschicken zu lassen, wie neue Schuhe oder eine Kaffeemaschine. Diese Gegenstände werden jedoch zuvor geröntgt, um zu kontrollieren, ob mit ihnen andere unerlaubte Gegenstände eingeschleust werden. Hierzu wurden uns einige Röntgenbilder gezeigt, auf denen unter anderem ein Paar Schuhe abgebildet war, die so präpariert wurden, dass sich schließlich ein Handy in der Sohle befand, oder eine Kaffeemaschine, in der sowohl ein Handy als auch ein Ladekabel versteckt waren.
Zwischen den vielen Informationen gab es auch ausreichend Zeit, um viele unserer Fragen zu beantworten. Neben allgemeineren Fragen, wie zum Beispiel, ob es schon einmal vorkam, dass jemand aus der Anstalt ausbrechen konnte oder ob es oft zu Reibereien unter den Inhaftierten kommt, kamen auch einige privatere Fragen auf. So zum Beispiel die Frage, ob man als Justizvollzugsbeamte/r die Inhaftierten gleich behandeln könne, wenn man deren Urteile kennt, oder ob man schon einmal ehemalige Inhaftierte im Alltag getroffen habe.
Nachdem all unsere Fragen ausführlich beantwortet wurden, ging es weiter mit der Führung durch die Anstalt. Zunächst besichtigten wir das Sportgelände. Hier können die Inhaftierten in ihren Frei-stunden verschiedene Sportarten, wie zum Beispiel Basketball, Schach oder Fußball ausüben, oder einfach nur gemütlich die freie Zeit auf einer Parkbank verbringen. Außerdem steht ihnen ein Fitness-raum mit verschiedenen Fitnessgeräten zur Verfügung.
Der Rundgang führte uns weiter zu dem sogenannten „BgH“, dem „Besonders gesicherten Haft-raum“. Dieser ist lediglich mit einer Matratze und einem im Boden eingelassenen WC ausgestattet. Zudem wird dieser Raum mit Hilfe von Kameras überwacht. All dies ist nötig, da dort nur Gefangene untergebracht werden, die gewalttätig gegenüber sich selbst oder anderen sind oder die akut suizid-gefährdet sind.
Bevor die Führung sich dem Ende neigte, gingen wir noch in einen großen Besucherraum, in dem es den Inhaftierten möglich ist, Besuch zu empfangen. Hier gab es auch eine kleine Spielecke für Kinder mit einer großen Auswahl an Spielsachen, mit denen sich die Inhaftierten während der Besuchszeitausgiebig beschäftigen können. Gegen 12:45 Uhr endete unser Besuch in der Abteilung Groß-Hesepe, und wir fuhren zum Restaurant Deichkrone in Geeste, um dort den Vormittag Revue passieren zu lassen.
Alles in allem kann man sagen, dass der Tag durchweg von verschiedensten Gefühlen geprägt war. Wenn man eben noch im „Besonders gesicherten Haftraum“ ein eher unheimliches und beklemmen-des Gefühl hatte, erlebte man nur wenige Meter weiter im Besucherraum ein Gefühl der Dankbarkeit und Freude. Ebenso kommt bei den vielen Grünanlagen und den nicht vorhandenen Mauern ein Ge-fühl der Weite auf. Diese Gegebenheiten erleichtern bestimmt vielen der Inhaftierten die Haftzeit. Schlussendlich lässt sich sagen, dass es ein wirklich informativer Besuch war und wir mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen den Tag abschließen konnten.
Isabel Klöpper (Schülerin der WSK 3-1)